Donnerstag, 4. September 2014

Hausarbeit mal zwei oder der Mythos des Sisyphus


Jeder kennt den Begriff der Sisyphusarbeit, einer sinnlosen, nie enden wollenden und vor allem nie ans Ziel führenden Arbeit. Seit mein Sohn von Tag zu Tag immer aktiver wird und aufgrund seiner Neugierde und der Erkundung der Welt meine Welt etwas chaotischer macht, kann ich den Begriff besser nachvollziehen. In meiner Welt ist es zwar kein Stein, der mit viel Kraftaufwand auf einen Berg gerollt werden muss und der dann - an der Spitze des Berges angelangt - wieder ins Tal rollt, sondern zum Beispiel Klopapierrollen, die wieder aufgerollt werden müssen, oder mit Buntstiften fabrizierte Kleinkindgemälde auf Wänden, die wieder ausradiert werden müssen. Und es nimmt kein Ende.
Der Grad der Unordnung steigt exponentiell zur Aktivität meines Sohnes. Ich beginne irgendwo in der Wohnung aufzuräumen, lege zum Beispiel Handtücher und Geschirrtücher zusammen. Währenddessen hat mein neugieriger Sohn die Küchenrolle bis zum allerletzten Blatt abgerollt und so über den Flur verteilt, dass man meinen könnte, er erwarte royalen Besuch. Dem nicht genug, wirft er nach getaner Arbeit noch den Turm mit den zusammengelegten Hand- und Geschirrtüchern mit einer schnellen Handbewegung um, sodass ich wieder von vorne beginnen und zusätzlich das Chaos des royalen Empfangsteppichs aus Küchenrolle verräumen muss. Mein Problem ist vor allem jenes, das ich aufgrund meiner Liebe zur Ordnung das Chaos nicht einfach mal Chaos sein lassen kann. Ich muss es immer sofort beseitigen und das erfordert ganz schön viel Willenskraft und Gelassenheit. Denn da wir ja wissen, behauptete bereits der Philosoph Albert Camus, dass die Sisyphusarbeit theoretisch in die Absurdität führen müsste. Jeden Tag immer wieder dasselbe tun. Zum Glück gestaltet sich meine Arbeit jeden Tag in einem gewissen Grad neu, einmal sind es Tampons, die von meinem Sohn in liebevoller Kleinstarbeit aus ihrer Schachtel entfernt und über den Fußboden verteilt wurden, einmal sind es Wäschestücke, die er aus dem Wäschekorb stibitzt - als ich gerade dabei war diese aufzuhängen - und irgendwohin räumt, wo ich sie aber erst finden muss. Die Hausarbeit hat sich, seit ich Mama bin, definitiv verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht. Aber das gehört wohl einfach dazu und so wälze ich den Felsblock morgen wieder auf den Berg hinauf.

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