Montag, 6. Oktober 2014

Allen Regeln zum Trotz



Willkommen in der beginnenden Trotzphase. Mein Sohn ist gerade sechzehn Monate alt geworden und kommt schon langsam Schritt für Schritt in die von Eltern so geliebte Trotzphase. Jeder hat bei dem Begriff wohl sofort ein schreiendes, am Boden eines Supermarktes liegendes Kind vor Augen, das sich nicht bändigen lässt, die Eltern in den Wahnsinn treibt und die Aufmerksamkeit der restlichen Einkäufer erregt.

Der Begriff Trotz war ursprünglich nicht negativ konnotiert, sondern markierte ein Verhalten der Gegenwehr und Beharrlichkeit. Spricht man jedoch vom kindlichen Trotzverhalten ist der Begriff traditionell negativ besetzt. Nachdem mein Kind in verschiedenen Situationen immer öfters sein Durchhaltevermögen und seinen Willen durchsetzen möchte, habe ich mir einmal in Ruhe einiges darüber durchgelesen. Wichtig ist, dass nicht jeder Ausdruck von Trotz oder Wut mit einem Trotzanfall gleichzusetzen ist. Wenn sich also ein Kind nicht in den Buggy setzen lässt oder auf den Boden fallen lässt, handelt es sich dabei nicht gleich um einen Trotzanfall. Dieser zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass dem Kind emotional sozusagen eine Sicherung durchbrennt. Soll heißen, dass ein Wut- oder Trotzanfall dann am wahrscheinlichsten ist, wenn sich bei einem Kleinkind zu viel Frust, damit verbunden Angst und Sorge, angestaut hat und die Anspannung so groß ist, dass sich diese Emotionen nur explosionsartig entladen können. Während dieses Anfalles ist das Kind derart von seinem inneren Zorn überwältigt und von den damit verbundenen Gefühlen, die es nicht kontrollieren kann, übermannt, dass die Situation für das Kind viel schlimmer ist, als für die Eltern selbst.

Selbstverständlich ist die Trotzphase eben nur eine Phase, die wieder vorbeigeht und hinsichtlich der Entwicklung des Kindes ganz essentiell ist. Denn diese Phase ist wohl der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Der Selbstbehauptungswille des Kleinkindes macht sich in dieser Zeit zum ersten Mal geltend. Entwicklungspsychologen sprechen hier auch von der Autonomiephase. Diese Phase ist auch in der Erziehung ein einschneidender Punkt, da die Kleinkinder durch ihr Trotzverhalten ihre Grenzen austesten und kennenlernen. Lernt ein Kind seine Grenzen dann nicht kennen, weiß es, dass es nur zu schreien oder weinen braucht, um das zu bekommen, was es will. In diesem Sinn: Ich bin dann mal wieder mein schreiendes Kind, das nicht zum Computer darf, beruhigen und ablenken.

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